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Heeslingens Theater-Ensemble hat sich am Premierentag in Sachen Krisenmanagement eine Bestnote verdient. Weil sich um die Mittagszeit Stefanie Klindworth krank meldete, musste zügig gehandelt werden. Souffleuse Monika Viebrock, die ansonsten im unbequemen Bretterverschlag des Flüsterkastens verschwindet, ließ sich überreden, die Rolle der Dienstmagd auf den Bühnenbrettern darzustellen. „Oma warrt verköfft“ unterhielt im Heimathaus über zwei Stunden vorzüglich.
„Speelbaas“ Dieter Dubbels erläuterte dem Premierenpublikum seine Personalprobleme, die Gäste im Heimathaus konnten dann feststellen, wie „fiegeliensch“ das Ensemble mit der kurzfristigen Umbesetzung umzugehen wusste. Die Handlung des Dreiakters beginnt auf dem hoch verschuldeten Bauernhof Kulenkamp in der Marsch und endet bei dem großkotzigen, zu Betrügereien neigenden Heidebauern Fiesebarg.
Dreh- und Angelpunkt ist eine angeheiratete Schwiegermutter, nur „Oma“ genannt, die der „Heidjer“ seinem klammen Berufskollegen für 1000 Mark abkauft. Aus dem ungeliebten und verschacherten Hausdrachen machte Gunda Wilkens den Star des ganzen Stückes. Mit unglaublichem Mut zur Hässlichkeit, mit dicker Hornbrille, Wollstrümpfen, Gummistiefeln und Schürzen, wie sie seit 50 Jahren niemand mehr trägt, schwadronierte sie über die Bühne. Mimik und Gestik auf den Punkt genau gesetzt, die zum Teil recht deftigen Schimpfkanonaden standen allerdings so im Drehbuch.
Der Hauptdarstellerin zur Seite Andreas Brinkmann als ein etwas „tüffeliger“ verwitweter Schwiegersohn und Claus-Henning Dittmer als aufgeweckter „plietscher“ Enkel. Die eingangs erwähnte Monika Viebrock spielte die Rolle der Magd, die von der Oma so lange gepiesackt wird, bis sie ihre Stelle kündigt.
Szenenwechsel dann im zweiten Akt, als die Oma beim Heidebauern angekommen ist. In Windeseile gelang es allen Beteiligten, in der Pause das Bühnenbild umzubauen. Von nun an spielte sich alles auf dem Heidehof ab. Mit dem Türen knallenden Poltergeist, Bauer Fiesebarg, verkörpert von Heiner Buhrfeind, hatte seine sittsame Frau, dargestellt von Renate Peper, so ihre liebe Not. Ein reizendes Töchterchen in Liebesnöten gibt es in nahezu jedem plattdeutschen Theaterstück, so auch bei der verkauften Oma. Susanne Meyer schlüpfte in diese Rolle, und die angedeuteten Liebesszenen mit Claus-Henning Dittmer blieben sozusagen in der Familie. Im „richtigen Leben“ hatten beide die gleiche Oma.
Ein durchtriebener Knecht rundete die Riege der Darsteller ab, Bernd Ehlen erwies sich als ebenso spielfreudig, wie alle anderen Mitglieder der „Börd Heeßler Plattdüütsch-Speeler“. Herzlicher Applaus war ihr Lohn, und ganz zum Schluss lüftete sich dann auch das Geheimnis, wer an Stelle von Monika Viebrock in den Flüsterkasten gekrabbelt war: Julia Dittmer, ein weiteres Mitglied der von Kindesbeinen an platt schnackenden Meyer-Dittmer-Sippe.